Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll – was uns gerade von den Grünen präsentiert wird, ist wohl kaum anders als Die absolute Shitshow zu bezeichnen. Nehmen wir das Popcorn und lassen uns einmal ruhig nieder. Von der Last des Lebens einmal ruhen und das Theater der Anderen mit Genuss betrachten.
Dabei sind nicht nur die Berliner Grünen mit im Spiel. Das Spannungsfeld zwischen Landes- und Bundesebene, zwischen Realos und Linken und vielleicht sogar zwischen Antideutschen und Postkolonialen ermöglicht ein Sittenbild ganz besonderen Ausmaßes.
Ich betrachte das Elend, ich trage nicht zu ihm bei, könnte ich beitragen, allerdings bin ich durch diesen Beitrag, so er denn rezipiert wird, mit im Spiel. Lange habe ich darunter gelitten, von meiner Partei und den Parteifreunden getrennt zu sein, allein, ich kannte die Grenzen nicht. So stürze ich mich nun mit Lust wieder ins Getümmel.
Mein ehemaliger Mitbewohner Werner Graf ist im Zentrum des Geschehens. Und nun die Zweifel – was wurde am Verhandlungstisch vereinbart, wie kommen Mitglieder einer anderen Partei dazu, der Linken Vorschriften machen zu wollen, wer Mitglied ihrer Fraktion ist und wer nicht. Da kommen bei mir schon die Zweifel, ob der Graf zwingen will, wo er nicht mehr zwingen kann. Ich glaube nicht an die vielfach in der Presse beschworene Komodität dieses Mannes, seinen angeblichen Pragmatismus und seine Coolness in Führungs- und Verhandlungsfragen. Fast schon bizarr sein Montagskater-Interview nach der Wahl – die Linke wird aufgefordert, die Rituale – des Distanzierens – zu unterlassen, gleichzeitig wird gebetsmühlenartig, ja ritualhaft wiederholt, die Linke möge sich distanzieren. Die Zeit wird zeigen, für wen da eigentlich gesprochen wurde.
Viele Leute haben mir gesagt: „Ich weiß nicht, was da bei euch in der WG gelaufen ist“. Darauf kann ich stets antworten: „Ich weiß es auch nicht“.
Wenn sich Leute fragen, was mit Julia Seeliger passiert ist, dann spielen die Berliner Verhältnisse eine entscheidende Rolle. Das Leben in der Politjunkie-WG am Mehringdamm in Berlin-Kreuzberg war anstregend, entbehrungsreich und ohne Privatsphäre. Später wurde im Rahmen der Keylogger-Affäre der taz in unserem Badezimmer eine Kamera gefunden, eine Fußnote der Geschichte, nur, dass es für WGs keine Aufarbeitungsbehörde gibt. Sex, Drogen und Dauerglitzer sind lustig, auf Dauer aber äußerst ungesund und im Moment nicht hilfreich für die Karriere. Clandestine Kreise – da gleichen sich die Junkies und die Extremisten. Borderline-Strukturen, die nur schwarz und weiß kennen und den Graubereich und erst recht das wahrhaft Bunte zum Feind erklärt haben.
An der von solchen Leuten angerührten Shitshow will ich mich gerne beteiligen. Es gibt hier wie gehabt ein Blog, das kommentiert werden kann. Zu meinem großen Glück administriere ich den Server und mit KI schreibe ich meine Funktionen im Zweifel selbst. Als Computerexpertin verbreite ich wie eh und je Angst und Schrecken, keiner weiß, ob ich über die Einsatzpläne in der Trollfabrik entscheide und dank meiner neu erweckten Fantasie bin ich für alles bereit, was da kommen kann.
Ja, ich will dieses Elend nicht nur betrachten, sondern auch zu ihm beitragen. Gardé!
Zum Weiterdenken